Direktkuriere

Danke an Achim Danner und Hans Reischer von E-KURIER.NET, Frank Disselkamp von courier.net, Klaus Dieter Bugiel von fox-Courier

Direktkuriere, transportieren meist kleine Sendungsvolumina auf dem schnellsten Weg vom Versender zum Empfänger. Dieser Vorgang wird oft auch Sonderfahrt genannt. Die Sendungen werden i.d.R. ständig vom Kurier begleitet. Die über die Kurierplattform e-kurier.net vermittelten Transporte haben eine durchschnittliche Distanz von 350 km. Direktkuriere stellen eine kurzfristige europa- und weltweite Verfügbarkeit von Gütern sicher. In Deutschland bieten ca. 4000 Unternehmen Sonderfahrten an. Ein erheblicher Anteil daran kommt aus dem osteuropäischen Ausland.

Durch die Einstellung großer Teile der Industrieproduktion wie Auto- und Flugzeugindustrie fehlen in den Netzen der Direktkuriere ist das Frachtaufkommen erheblich zurückgegangen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Laderaum beispielsweise für die B2C Zustellung sowie zur Beförderung von Medizintechnik an. Der Nachfrageanstieg gleicht aktuell den Nachfragerückgang aus anderen Sektoren nicht aus. Die Experten gehen davon aus, dass die Gesamtnachfrage in der Krise deutlich geringer ist als vorher. Die Frachraten gehen deutlich zurück.

Bezüglich des bereitstehenden Laderaums ergeben sich erhebliche Veränderungen. Betreiber ausländischer Flotten ziehen ihre Fahrzeuge aus Deutschland ab. Aktuell schätzen Experten den Rückgang der verfügbaren (ausländischer) Fahrzeuge auf 30%. Ursächlich ist die unklare Entwicklung an den Grenzen. Besonders osteuropäische Ländern schließen die Grenzen auch für Berufspendler. Fahrer/innen haben dadurch das Risiko, nicht wieder nach Hause zurück zu kommen. Besonders Tschechien schränkt Verkehre an den Grenzen eher stark ein. Wenn möglich meiden Direktkuriere die Einfahrt nach Tschechien. Neben der Frachtentwicklung ist die unklare Entwicklung an den Grenzen das größte Risiko für die Branche. Insgesamt jedoch scheinen die extremen Wartezeiten an den Grenzen aus der letzten Woche nicht mehr zu existieren. Kleine Nutzfahrzeuge weichen auf Nebenübergänge aus.

Parallel bieten inländische Unternehmen aus anderen Branchen (bspw. Veranstaltungstechniker) ihre wegen fehlender Aufträge unbenutzten Fahrzeuge als Direktkurierfahrzeuge an.

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(16.3.) In einem Teil der Branche ist trotz Corona Krise bisher kaum ein Rückgang ihrer Transportvolumina zu verzeichnen. Hier wirkt sich wahrscheinlich aus, dass aktuell verstärkt Kunden Direkttransporte in Auftrag geben, die vorher Ihre Fracht auf langsameren Transportwegen mit größeren Volumen bspw. mit Speditionen transportieren lassen haben. Nun versenden sie kleinerer Transportvolumina, die kurzfristiger abgerufen werden über Direktkuriere statt auf ihren bisherigen Spediteure zurückgreifen. Diese Transporte gleichen bei diesen Direktkurieren teilweise den Rückgang bei sinkenden Sendungszahlen aus dem Automotivebereich aus. Problem hierbei könnte aber bereits kurzfristig die Verfügbarkeit von Laderaumressourcen werden, wenn durch die Grenzschließungen beispielsweise Unternehmer aus dem europäischen Umland nicht mehr nach Deutschland einreisen dürfen, oder Transitverkehre durch europäische Nachbarländer verboten werden.

Massive Rückgänge bei den Transportvolumina haben hingegen die Direktkuriere zu verzeichnen, die sich hinsichtlich eines kleinen Kundenkreises stark spezialisiert haben und daher beispielsweise viele Aufträge im Zusammenhang mit Flughäfen abwickeln. Durch die massiven Stornierungen von Flügen fallen so in hohem Umfang Transportaufträge weg. Auch von der Coronakrise besonders betroffene Branchen, wie beispielsweise Messebauer, haben einen starken Rückgang an Sendungsmengen.

Ein erster immens wichtiger Schritt in der aktuellen Situation ist es daher, dass fehlende Laderaumressourcen über Laderaumbörsen ausgeglichen werden. Zudem muss alles getan werden, dass die europäischen Unternehmer auch weiterhin grenzüberschreitende Transporte durchführen dürfen, um die kurzfristige Laderaumverfügbarkeit beispielsweise auch für Medizintransporte zu gewährleisten.